Warum sind Rassehunde eigentlich so teuer?

Der züchterische Aufwand ist enorm

"Warum sind Hunde bloß so teuer?", mögen sich Hundeinteressenten fragen. Schnell keimt die Vermutung, der Züchter der edlen Tiere wolle sich bequem bereichern und verlange einen astronomischen Preis, ohne eine entsprechende Gegenleistung zu erbringen. Diese Vermutung ist nicht richtig. - Insofern es sich um einen seriösen Hobbyzüchter handelt, der seine Welpen kompetent aufzieht.

Deckakt und Trächtigkeit

Die Aufzucht eines Wurfes erfordert einen hohen menschlichen und finanziellen Einsatz. Die Arbeit beginnt lange vor dem Tag der Geburt: Der Züchter muss die Gesundheit seiner Zuchthündin überprüfen lassen und gegebenenfalls nach einem geeigneten Zuchtrüden suchen. Oft ist er gezwungen weit zu fahren um die Hündin belegen zu lassen. Der Deckakt selbst ist natürlich auch nicht umsonst. Während der Trächtigkeit steht die Hündin unter ständiger Beobachtung. Es gibt eine Vielzahl von Komplikationen die den exzessiven Einsatz von Tierärzten erfordern. Nicht selten darf der Züchter hohe Rechnungen begleichen bevor er überhaupt den ersten Welpen in den Händen hält.

Die Geburt

Die Tage vor der Geburt sind für mitfühlende Hundezüchter eine Zitterpartie. Durchwachte Nächte gehören zum Alltag. Der große Tag hält sich nur in den seltensten Fällen an menschliche Voraussagen und tierärztliche Berechnungen. Bei der Geburt können Komplikationen auftreten. Vielleicht muss man sogar mitten in der Nacht in die nächste Tierklinik fahren und einen Kaiserschnitt vornehmen lassen. Die Vielzahl möglicher Schwierigkeiten soll nicht weiter aufgeführt werden aber es gibt sehr viele...

Die Welpen sind da

Sind die Welpen endlich da kommt auf den Züchter eine Menge Arbeit zu. Tierarztbesuche, Routine-Checks, Entwurmungen, die ersten Impfungen und die Gewöhnung an Feucht- und oder Trockenfutter gehören zum kostenintensivsten Standardprogramm. Plötzliche Erkrankungen und Unfälle können den Stand der Ausgaben in atemberaubende Höhen schnellen lassen. Die Aufzucht eines Wurfes ist ohnehin schon teuer. Treten unerwartete Komplikationen auf, kann man als Züchter froh sein, wenn man nach dem Verkauf der Welpen seine Unkosten beglichen hat. Der persönliche Einsatz zu allen erdenklichen Tages- und Nachtzeiten ist dabei nicht eingerechnet.

Billigangebote

Wer schon einmal in den Kleinanzeigen-Rubriken großer Tageszeitungen oder im Internet gestöbert hat weiß, dass es auch Anbieter gibt die angebliche Rassehunde zu wahren Schleuderpreisen feilhalten. In der Regel verfügt keiner der angebotenen Tiere über Papiere eines anerkannten Verbandes. Oft stammen die Hunde aus den Zwingern skrupelloser Hinterhof-Vermehrer, die keinerlei Rücksicht auf wichtige züchterische Aspekte wie Gesundheit und Wesensfestigkeit legen. Nicht selten kommt es vor, dass die Hundewelpen bereits krank sind wenn sie den Besitzer wechseln. Auch die stetig zunehmende Anzahl illegaler Ost-Importe trägt dazu bei, dass immer mehr Hundewelpen zu wahren Dumping-Preisen abgegeben werden.

Liebhaberhunde

Auch seriöse Züchter können einem Hundeinteressenten manchmal ein Tier anbieten, das preislich unter dem Durchschnitt liegt. Vielleicht ist der Welpe nicht standardgemäß, hat eine Fehlfarbe oder ein anderes Manko, dass einer Ausstellungskarriere im Weg steht. Für einen Hundefreund, der keine Ausstellungsambitionen hat, bedeuten vom Standard abweichende phänotypische Aspekte in der Regel kein Problem, solange sie keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit sich bringen. Wer nicht von Ausstellungssiegen und einer eigenen Zucht träumt, kann an einem "Liebhaber-Hund" seine wahre Freude haben.

Wie finde ich einen seriösen Züchter?

Endlich hat man sich für eine Rasse entschieden. Nun steht der zukünftige Hundehalter vor einem neuen Problem: Wo findet man einen seriösen Züchter, der die in Frage kommende Hunderasse züchtet?

Es gibt mehrere Möglichkeiten an Züchteradressen zu kommen: die Kleinanzeigen-Rubriken der Hunde-Fachzeitschriften sind eine ergiebige Quelle und auch der "Verband für das Deutsche Hundewesen e.V." Der VDH ist ein kompetenter Ansprechpartner für hilfesuchende Hundeinteressenten.

Kontaktaufnahme

Ist ein Züchter in die engere Auswahl gekommen, steht der erste Anruf auf dem Programm. Man schildert sein Anliegen und informiert sich darüber, ob der betreffende Züchter überhaupt Welpen abzugeben hat. Manchmal muss man mehrere Monate oder sogar ein Jahr auf einen Welpen warten. Wer wirklich Wert auf einen gesunden, wesensfesten Hund legt und glaubt, diesen nun von einem bestimmten Züchter zu bekommen, sollte die Wartezeit auf jeden Fall in Kauf nehmen.

Hat der Züchter tatsächlich Welpen anzubieten, vereinbart man einen Besuchstermin. Seriöse Züchter, die nichts zu verbergen haben, vergeben auch kurzfristige Termine. Dass sie sich nicht immer auf unangekündigte Besuche einlassen, ist nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen. - Schließlich haben auch Hundezüchter ein Privatleben und wollen nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit von Hundeliebhabern belästigt werden.

Der Züchter sollte sympathisch sein

Der Besuch beim Züchter ist überaus aussagekräftig: Der erste Kontakt entscheidet meistens über Sympathie und Antipathie. Es ist äußerst wichtig, dass ein Hundezüchter einen sympathischen und seriösen Eindruck macht. Natürlich kann die erste Einschätzung auch trügerisch sein. - Dennoch ist prinzipiell davon abzuraten, einen Hund von einem Züchter zu kaufen, der von vorneherein einen zweifelhaften Eindruck macht. Als nächstes sollte man versuchen, sich ein neutrales Bild von der Hundehaltung zu machen. Wie sind die Hunde untergebracht? Wie hält es der Züchter mit Sauberkeit und Hygiene? Sind die Hunde offensichtlich gesund oder zeigen sie Krankheitsanzeichen? Wie reagieren die Vierbeiner auf den Züchter und auf den unbekannten Besuch?

Augen, Ohren und Nase auf

Die Haltungsbedingungen sind ein wichtiger Faktor: Zufriedene Hunde brauchen ein hundegerechtes Umfeld, regelmäßigen Auslauf und Kontakt zu ihren Bezugspersonen.

Ein gepflegter Hunde-Haushalt riecht nicht unangenehm. Sicherlich haben Hunde bisweilen einen markanten Geruch, der an Intensität zunimmt, wenn das Tier nass wird - und dennoch darf es bei einem Züchter nicht "zum Himmel stinken". Es versteht sich von selbst, dass auch die Hunde einen gepflegten Eindruck machen sollten. Verschmutzungen, Verkrustungen an den Augen, an der Nase und im Afterbereich können Hinweise auf mangelnde Pflege und etwaige Erkrankungen sein. Auch der Fellzustand der Hunde sollte genauestens in Augenschein genommen werden. Die Beziehung zwischen Hund und Züchter ist ebenfalls sehr aufschlussreich. Ein verantwortungsvoller Züchter pflegt einen engen Kontakt zu seinen Tieren. die meisten Hobbyzüchter integrieren ihre Hunde voll und ganz in das Familienleben und legen größten Wert auf eine frühe Sozialisation ihrer Tiere.

Die Elterntiere

Es ist immer von Vorteil, wenn man vor dem Erwerb eines Welpen die Elterntiere in Augenschein nehmen kann. Sie vermitteln einen Eindruck vom späteren Aussehen des Welpen und geben eventuell sogar Aufschluss über etwaige charakterliche Eigenarten. Leider ist es nicht immer möglich, den Vater der Welpen zu sehen. Viele Züchter haben keinen eigenen Deckrüden oder sind auf "fremdes Blut" angewiesen, damit der Genpool der eigenen Hunde erweitert wird. Gegen diese Vorgehensweise ist im Prinzip nichts einzuwenden. Vielleicht verfügt der Züchter über Fotomaterial o.ä. vom stolzen Vater seiner Welpen. Die Zuchthündin sollte allerdings auf jeden Fall präsent sein. Wurden die Welpen bereits im Alter weniger Wochen von ihrer Mutter getrennt und die Zuchthündin ist nicht zu sehen, sollte das den zukünftigen Hundebesitzer skeptisch stimmen.

Informationsbereitschaft

Ein seriöser Züchter wird Wert darauf legen einen Hunde-Interessenten genauestens über die von ihm gezüchtete Rasse zu informieren. Er erläutert bereitwillig die Fütterung und Pflege der Hunde und wird eventuell auch ein paar Erziehungstipps parat haben. Viele Hundezüchter stehen auch nach dem Kauf eines Welpen für Fragen bereit und helfen gerne, wenn der frischgebackene Hundebesitzer nicht weiter weiß. Als nächstes wird er dem Hunde-Interessenten nachweisen, dass die Welpen bereits geimpft und mehrfach entwurmt wurden (abhängig vom Alter). Der Hundekäufer erfährt, wann die nächste Wiederholungsimpfung ansteht und wann der Welpe erneut entwurmt werden muss.

Erwirbt man einen Hund mit Papieren sollte man überprüfen ob die Papiere tatsächlich von einem anerkannten Verein stammen oder ob sie der Fantasie des Züchters und dem heimischen Laserdrucker entsprungen sind.

Dem Hundekäufer auf den Zahn gefühlt...

Die Informationsbereitschaft liegt natürlich nicht nur auf Seiten des Züchters. Auch der Hunde-Interessent sollte offen und ehrliche Auskunft über seine Hundeerfahrung geben und erläutern was er von seinem zukünftigen Hund erwartet. Man sollte es keinesfalls als Neugierde werten, wenn ein Hundezüchter beginnt private Fragen zu stellen. Die Wohnverhältnisse, die finanzielle Situation und der Lebensrhythmus sind wichtige Fragen die sich erheblich auf die Hundehaltung auswirken. Ein verantwortungsvoller Züchter möchte seine Hunde in guten und kompetenten Händen wissen.

Vorsicht vor unseriösen Angeboten

Sicherlich ist ein gesunder wesensfester Hund mit guten Papieren nicht billig. Eine seriöse Zucht ist aufwendig und kostenintensiv. Würde ein Hundezüchter zu den Deck-, Tierarzt- und Futterkosten noch einen Stundenlohn für durchwachte Nächte und die in den Wurf investierte Arbeit berechnen, müsste der Kaufpreis in die Höhe schnellen. Trotz der nachvollziehbaren Zusammensetzung eines durchschnittlichen Kaufpreises gibt es Anbieter, die angeblich reinrassige Hunde zu wahren Schleuderpreisen feilhalten. Man braucht nur einen Blick in den Kleinanzeigenteil diverser Tageszeitungen oder Internet zu werfen: Da gibt es Rassehunde für unter 500 € und manchmal werden die Tiere sogar noch frei Haus geliefert. Man braucht kein Kenner der Hundeszene zu sein um zu ahnen, dass hier etwas im Argen liegt. Massenvermehrer und skrupellose Tierhändler die junge Hunde auf illegalem Wege nach Deutschland importieren treten seit einigen Jahren vermehrt in Erscheinung.

Viele von ihnen haben gleich 10 oder mehr Rassen im Programm.

Nicht aus Mitleid kaufen!

Es ist dringend davon abzuraten, auf derartig zweifelhafte Angebote einzugehen. Viele der zu Dumping-Preisen angebotenen Hunde sind krank und wesensschwach. Oft stammen sie aus erbärmlichen Verhältnissen, wurden zu früh vom Muttertier getrennt und haben bereits eine Odyssee im Kofferraum hinter sich. Solche Traumata gehen nicht spurlos an einem Hund vorbei. Natürlich gibt es ein Hundehändler nicht offen zu, dass die Welpen von einem Hinterhofvermehrer stammen und im zarten Alter von fünf Wochen vom Muttertier fortgerissen wurden. Vielleicht zeigt er den Kaufinteressenten sogar eine Hündin, die angeblich die Mutter des Wurfes sein soll. In Wahrheit sind die Welpen häufig untergeschoben. Sobald sie verkauft sind, liegt die selbe Hündin wenige Tage später mit einem neuen Wurf im Zwinger...

Auch wenn einem die traurig blickenden Hündchen in den Zwingeranlagen eines Massenvermehrers noch so leid tun, sollte man nicht den Fehler begehen, dem skrupellosen Tierhändler auch nur einen einzigen Hund abzukaufen. Ein Mitleidskauf unterstützt sein Geschäft und der gerade verkaufte Welpe wird umgehend durch eine neue gequälte Kreatur ersetzt.

Hundefreunde haben nur eine Handhabe, den Tierhändlern das Geschäft zu erschweren und die besteht darin, unter gar keinen Umständen mit undurchsichtigen Personen ins Geschäft zu kommen.

Züchtercheckliste:

  • Sympathie
  • Hygiene
  • Unterbringung der Hunde
  • Gesundheit der Hunde
  • Papiere
  • Impfungen / Entwurmungen
  • Elterntiere
  • Informationsbereitschaft
  • Züchter steht auch nach dem Kauf für Fragen zur Verfügung.